Nun, dann bleibt mir nur zu sagen, dass ich mich freue, dass dieses Forum Dir immer hin so viel gebracht hat, dass Dir die Gleitsichtbrille wieder lieb geworden ist.
Wir sagen hier ja immer wieder (ich schon mehrmals, die meisten andern auch), dass das Weglassen oder Abschwächen von Brillenkorrektur (ob das die Fernbrille bei Kurzsichtigkeit oder eben die Alters-Addition ist) an sich in aller Regel nicht reicht. Es bringt nur Anfangserfolge (Myopie) bzw. Aufschub (Presbyopie). Wenn überhaupt.
Ich war auch immer sehr zurückhaltend, die Lösungen der Optiker generell als Geldmacherei zu diskreditieren; sie sind schon innerhalb ihres Systems die beste Wahl. Nur "das System" ist defininert als der Erfahrungskosmos all der Leute, die NIE (!) erlebt haben, dass sich das Auge auch verbessern kann (zumindest wenn ich Recht behalte, dass es das auch dauerhaft kann). Ich gehe davon aus, dass Du entweder diese Erfahrungen auch nicht gemacht hast, oder es Dir einfach mehr Aufwand abverlangen würde, das doch noch zu erreichen, als Du aufbringen willst.
Das ist okay, aber von nun an reden wir ein bisschen aneinander vorbei. Schadet aber auch nichts. Auch solche Diskussionen dürfen manchmal sein.
Nur noch zwei Gedanken: Das mit den unförderlichen Alltagsbedingungen hab ich hier überhaupt nicht als Vergleich "mit früher" gemeint. Da ist viel Legendenbildung unterwegs, d'accord. Folgt man manchen Augentrainingsgurus, müsste man fast meinen, das Lesen und die Naharbeit sei eine Erfindung des industriellen Zeitalters. Das ist schlicht Blödsinn, und ich hab das auch noch nie verstanden. Sicher gab es Jäger, bzw. Bauern müssen auch mal in die Ferne gucken. Aber selbst Bauern schauen nicht nur in die Ferne und Jäger müssen auch manchmal sammeln (z.B. Wurzeln ausgraben) oder, wie alle Menschen, Kleidung und Werkzeug reparieren. Und außerdem gab es in all den Jahrhunderten vor Erfindung der Glühbirne (die jetzt unseren Eurokraten schon wieder zu schwach geworden ist) für Menschen in unseren Breiten ein halbes Jahr praktisch nichts anderes als Naharbeit, weil man auf die Ferne oft gar nichts erkennen konnte, bzw. in beengten Höhlen (Zimmern) es keine Ferne gibt.
Also, was soll das alles? Seh ich genau wie Du.
Ich denke aber schon, dass zwei Sachen anders waren.
1) Damals gab es keine (oder sehr teure) Korrekturbrillen. Dadurch waren die Menschen, die an den Bedingungen nicht zerbrochen sind, gezwungen, eine erfolgreiche (sprich natürliche) Technik auch beim Sehen zu lernen. Ich glaube, dass die den Test bestanden hatten, damals besser sahen als "unsere" Alten heute, und
2) Damals gab es überhaupt keine Brillen, also auch keine, die man wie ich heute als Übungsbrille verwenden konnte. (...)
Zweiter Gedanke: SOLL man die Brille hinauszögern?
Es gibt kein “Soll”; es ist eine Frage der Herangehensweise, und dahinter Deiner Zielsetzung bzw. Schwerpunktsetzung.
Es ist die Frage: Empfindest Du, dass die Brille zu Dir gehört (oder gehören kann), oder empfindest du sie nur als Werkzeug, das dir manchmal helfen kann, dir aber letztlich ewig fremd bleibt.
Ich tendiere halt stark zur zweiten Auffassung. Und daher merke ich, dass wenn ich eine Brille aufsetze, die mir das Sehen leichter macht, mir das momentweise hilft, aber auf Dauer aber (eher) schadet.
Die Augenärzte sind da keine Experten. Ganz einfach, weil sie innerhalb eines Systems ausgebildet sind bzw. forschen, das sich entschieden hat, in der (gewöhnlichen) Fehlsichtigkeiten keine Krankheit zu sehen. Das ist Definitionssache; dadurch forschen sie gar nicht (mit wirklichem Ehrgeiz, wie die Augentrainer) nach Verbesserungsmöglichkeiten. Natürlich gibt es organische Unterschiede zwischen Leuten, die (im Alter) besser sehen und den anderen. Und natürlich können – a priori – diese Unterschiede auch durch den Augen- bzw. Brillengebrauch zustande gekommen sein. Dass es nicht so sei, - weißt Du, ob es Studien dazu gibt, die wirklich aussagekräftig sind? Ich wage es deshalb zu bezweifeln, weil ich weiß, dass es eben NICHT nur auf die äußerlichen Verhaltensmerkmale geht (Brille hinauszögern), sondern Dinge wie die innere Einstellung zum Sehen, die sich schlecht quantifizieren lassen (und die dann von Leuten, die nicht daran interessiert sind, auch schlecht erfasst WERDEN).
Ich glaube sehr wohl, dass es schon heute organische Unterschiede zwischen meinen Augen heute und vor Trainingsbeginn im letzten Jahr gibt. Denn was ich sehe, ist schon eine Verbesserung.
Aber ich bin abgekommen. Was ich eigentlich antworten wollte:
Augenoptiker pflegen jungen Kurzsichtigen zu raten, ihre Fernkorrektur auch bei der Naharbeit zu tragen, und sie geben dafür ausdrücklich den Grund an, dass dadurch das (binokulare) Sehsystem besser im Gleichgewicht bleibt, insofern nur mit Brille (wie beim Normalsichtigen) gewährleistet ist, dass Akkommodation und Konvergenz immer im rechten Verhältnis zueinander stehen.
Ein Normalsichtiger (oder Fernbrille Tragender), der sich eine Nahkorrektion vorsetzt, macht aber nichts anderes als ein Kurzsichtiger, der die Brille weglässt. Die gleichen Optiker sagen, dass ihr Rat nur bis zum Erreichen des “lesebrillenpflichtigen Alters” gilt. Welches dadurch definiert wird, dass der “Patient” die Naharbeit als übermäßig schwer empfindet.
Zähl mal eins und eins zusammen. Was bedeutet diese Philosophie der Optiker? Es bedeutet, dass der ins mittlere Alter Kommende Erwachsene schlicht und einfach “aufgegeben wird”,

... jedenfalls, was eine komplett natürliche Sehfunktion angeht. Denn natürlich fallen doch die Gefahren, die bei den Jüngeren gesehen werden, nicht auf einmal weg. Es ist ja wohl eher im Gegenteil jetzt noch viel kritischer.
Vor allem auch: Wer schon einmal Stress empfindet, und das Erlebnis macht, dass dieser Stress dann durch einen Kunstgriff (momentweise) gelöst wird, für den wird diese Situation besonders prägend wirken. Und wenn er sie im nächsten Moment (vielleicht bei weniger Stress zu Hause oder am Wochenende) wieder nicht aufarbeitet, indem er die Hürde ohne "Seh-Doping” nimmt, verliert bald die Fähigkeit dazu gänzlich. Das ist keine dramatisierende Unterstellung, sondern meine aus den Erfahrungen abgeleitete Vermutung: Ich habe in der Zeit der Umstellung (von der Kurzsichtigkeit) tatsächlich die Erfahrung gemacht, wie subtil solche binokularen Programmierungen wirken.
Die Konvergenz hilft dem Unterbewusstsein bei der Akkommodation; diese Hilfe wird besonders dann gebraucht, wenn die Akkommodation schwierig zu werden beginnt, und Nachkrampfen eben keine Lösung ist! Wenn man dann Stunden prägender Erfahrung hat, dass Konvergenz auch ohne Akkommodation sein kann, wird dieser Hilfsreiz-Mechanismus stumpf.
Die Lesebrille entfremdet das natürliche Sehen, wahrscheinlich mehr als die Prismenbrille, von der ich spreche. Natürlich ist mir klar, dass niemand diese Prismen tragen wird, wenn er davon ausgeht, dass die Sklerotisierung des Auges sowieso der unvermeidliche Endzustand ist.
Aber das ist es ja gerade, was ich mit meinem “Experiment” erst eruieren will.
